Arbeitsplatzgestaltung

Erwachsene verbringen einen beträchtlichen Zeitraum ihres Lebens an ihrem Arbeitsplatz. Deshalb ist eine optimale, auf die individuellen Bedürfnisse des Arbeitenden zugeschnittene Arbeitsplatzgestaltung nicht nur für die physische und psychische Gesundheit nachhaltig entscheidend. Auch für den Arbeitgeber kann es zu beträchtlichen Ausfallzeiten kommen, wenn dieser die Arbeitsplatzgestaltung vernachlässigt.

Eine optimale Arbeitsplatzgestaltung ist deshalb nicht nur gesetzlich vorgeschrieben. Sie trägt auch zu einem gesunden Arbeitsklima und fördert so letztlich das Produktionsniveau entscheidend. Wer sich als Arbeitnehmer mit dem Thema der optimalen Arbeitsplatzgestaltung beschäftigt, wird auf zwei grundsätzliche Kriterien stossen: die Sicherheit des Arbeitenden und die ergonomische Gestaltung seines Umfeldes.

Im Vordergrund der Arbeitsplatzgestaltung stehen zunächst sicherheitstechnische Überlegungen. Dies beinhaltet sowohl die Unfallverhütung während der Arbeit als auch einen umfassenden Gesundheitsschutz für den Arbeitenden zur nachhaltigen Vermeidung von Berufskrankheiten. Dies schließt neben dem persönlichen Körperschutz des Einzelnen im weiteren Sinne auch den Brandschutz mit ein. Natürlich steht dies bei Arbeitsplätzen mit besonderer Gefährdung besonders im Vordergrund. Aber auch an reinen Einzelarbeitsplätzen in Büros, im besonderen Bildschirmarbeitsplätzen, ist eine sichere Arbeitsplatzgestaltung schon versicherungstechnisch relevant. In jedem Fall, und unabhängig von der Art der Tätigkeit, ist die rechtliche Grundlage der unternehmerischen Arbeitsplatzgestaltung das Arbeitssicherheitsgesetz ASiG.

Sicherheitstechnisch lässt sich die Arbeitsplatzgestaltung in drei Felder einteilen. Da ist zunächst die präventive Vermeidung von Gefahren. Dann die praktische Sicherung des Arbeitenden gegen dennoch eintretende Gefahren. Dies wird unter anderem erreicht durch Schutzsysteme, Schutzeinrichtungen, Schutzausrüstungen und Sicherheitsabstände. Ebenso zählt hierzu die direkte Warnung des Arbeitenden vor Gefahren. Letzteres kann beispielsweise durch die Kennzeichnung von Gefahrenzonen und Situationen erfolgen, ebenso wie die spezifische Arbeitsplatzschulung - ein kommunikativer Aspekt der Arbeistplatzgestaltung, der tendenziell vernachlässigt wird.

Danach folgt die Arbeitsplatzgestaltung nach ergonomischen Kriterien. Hierbei muss zum einen die physische Beschaffenheit des Arbeitenden berücksichtigt werden. Dabei kommen zunächst anthropometrische Kriterien zum Tragen. Damit ist die Ausrichtung der Arbeitsplatzgestaltung auf die Körpermaße des Arbeitenden gemeint: Die Elemente des Arbeitsplatzes werden optimalst und individuell räumlich angepasst. Dabei werden sowohl die Körpermaße als auch die Arbeitshaltung, die häufigste Arbeitsaufgabe und die benutzten Arbeitsgegenstände, die am häufigsten ausgeführten Bewegungen und die erwartete Arbeitsgeschwindigkeit berücksichtigt. Weiterhin müssen verschiedene Aspekte definiert werden: Welche Tätigkeit wird auf welche Art und Weise durchgeführt? Wie sind die herausragenden körperlichen Eigenschaften der Nutzer des Arbeitsplatzes? Wie ist die günstigste Körperhaltung und Arbeitshöhe für die Ausführung der Arbeitsaufgaben? Wie verlaufen Blickrichtung, Kopf- und Nackenneigung sowie Arm- und Beinhaltungen?

Zur Arbeitsplatzgestaltung werden dann die Arbeitsgeräte, sämtliche Ablage- und Arbeitsflächen sowie und Zugriffe auf Material derart gestaltet, dass eine möglichst optimale Arbeitshaltung unter minimaler Ermüdung gewährleistet ist.

Ein oft vernachlässigter Aspekt der Arbeitsplatzgestaltung ist der psychologische. Hierbei wird darauf geachtet, dass der Arbeitsplatz für den Mitarbeiter nicht nur gefahrenfrei ist, sondern auch als angenehm wahrgenommen wird. Dies kann durch eine Optimierung des Raumklimas und der Lichtsituation erfolgen; auch als optisch positiv empfundene Signale wie Farben oder Bilder gehören in dieses Feld. Ein besonderes Problem stellt das Vorhandensein von Monotonie dar. Diese stellt auch einen Grenzwert hin zu sicherheitstechnischen Überlegungen, da sie zu verfrühter Müdigkeit, abfallender Kontentration und einem Fokusverlust führen kann. In diesem Fall besteht die Herausforderung der psychologischen Arbeitsplatzgestaltung darin, akustische oder optische Abwechslung zu schaffen, die die Monotonie der tatsächlichen Tätigkeit unterbrechen können.

Eine weitere, ebenfalls eher neu definierte Aufgabe der Arbeitsplatzgestaltung ist die Art und der Umfang des Zugangs zu Information. Diese informationstechnische Arbeitsplatzgestaltung kümmert sich um die Gestaltung von erleichternden Maßnahmen zu schnelleren, besseren und angenehmeren Aufnahme von Informationen (wie Zahlen, Buchstaben, Skalen oder akustische Signale) durch die Sinnesorgane. Zuletzt bleiben noch zwei eher marginale Formen der Arbeitsplatzgestaltung, die organisatorische sowie die technologische. Erstere befasst sich mit der inhaltlichen und formellen Gestaltung der Arbeitsaufgaben selbst. Letztere bezeichnet das Ausmaß, zu dem ein Arbeitsplatz mechanisiert wird.

Alle aufgezählten Aspekte der Arbeitsplatzgestaltung sollten in enger Kooperation zwischen Unternehmer beziehungsweise Arbeitgeber, Arbeitnehmern und Arbeitsnehmervertretern und Externen definiert, diskutiert und umgesetzt werden. Die Begleitung dieses Prozesses durch unabhängige, externe Dritte hat sich oft als zielführend herausgestellt, da die Rechtslage nicht einfach ist, und die Möglichkeiten und Kostenrahmen zur Neuausrichtung der Arbeitsplatzgestaltung vielfältig sind. Erfahrung in vielen verschiedenen Betrieben und an diversen Arbeitsplätzen kann das Budget reduzieren und teure Fehler vermeiden helfen, die ansonsten den kompletten Produktionsablauf behindern könnten.